
Eine aktuelle Studie des TUM Universitätsklinikums München untersuchte deshalb, wie sich unterschiedliche Dialyseverfahren auf die Konzentration des Antibiotikums Linezolid im Blut kritisch kranker Patient*innen auswirken.
Die prospektive Beobachtungsstudie wurde von Dr. med. Julian Triebelhorn, PD Dr. med. Johanna Erber, Dr. rer. nat. Heike Schneider, Prof. Dr. med. Jochen Schneider, Dr. med. Laura Wagner, Dr. med. Dr. rer. nat. Yizhu Li, Dr. med. Eva Ortner, Prof. Dr. Roland M. Schmid, PD Dr. med. Ulrich Mayr, Prof. Dr. med. Tobias Lahmer und Dr. med. Miriam Dibos durchgeführt. Untersucht wurden 14 kritisch kranke Patient*innen, die mit Linezolid behandelt wurden und entweder eine ADVOS multi Therapie oder eine konventionelle kontinuierliche venovenöse Hämodialyse (CVVHD) erhielten.
ADVOS multi Therapie entfernt mehr Linezolid
Die Ergebnisse zeigen, dass die ADVOS multi Therapie deutlich höhere Maschinen-Clearance-Werte für Linezolid erreichte als CVVHD. Die mediane Maschinen-Clearance betrug 3,4 L/h unter der ADVOS multi Therapie gegenüber 1,6 L/h unter CVVHD. Damit wurde mehr als doppelt so viel Linezolid über das Therapiesystem entfernt.
Überraschendes Ergebnis: Die Blutspiegel blieben vergleichbar
Trotz dieser höheren Elimination zeigte sich ein überraschendes Ergebnis: Die gemessenen Linezolid-Konzentrationen im Blut unterschieden sich nicht signifikant zwischen den beiden Therapieformen. Die medianen Talspiegel lagen bei 4,6 mg/L unter der ADVOS multi Therapie und bei 4,0 mg/L unter CVVHD. Auch die geschätzte Gesamtwirkstoffexposition war vergleichbar.
Die Studienautor*innen führen dies darauf zurück, dass die Dialyse nur einen Teil der gesamten Wirkstoffelimination beeinflusst. Darüber hinaus spielen individuelle Faktoren wie Organfunktion, Stoffwechsel und Krankheitsbild eine wichtige Rolle. Die gemessenen Wirkstoffspiegel lassen sich daher nicht allein anhand des verwendeten Dialyseverfahrens vorhersagen.
Fast jede zweite Messung lag außerhalb des Zielbereichs
Besonders relevant für die klinische Praxis ist eine weitere Beobachtung: Ein erheblicher Anteil der Messungen erreichte nicht den angestrebten therapeutischen Zielbereich. Insgesamt lagen 45,5 % der geschätzten AUC24-Werte außerhalb des definierten Zielbereichs.
Auffällig war dabei insbesondere der hohe Anteil zu niedriger Wirkstoffexpositionen. Unterdosierungen wurden nicht nur unter der ADVOS multi Therapie beobachtet, sondern traten auch unter CVVHD auf. Gleichzeitig wurden vereinzelt potenziell zu hohe Konzentrationen gemessen.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Standarddosierungen bei kritisch kranken Patient*innen nicht zwangsläufig zu optimalen Wirkstoffspiegeln führen. Die tatsächliche Konzentration eines Antibiotikums kann von Patient*in zu Patient*in erheblich variieren.
Bedeutung für die Intensivmedizin
Die Autor*innen kommen zu dem Schluss, dass Therapeutisches Drug Monitoring (TDM) einen wichtigen Beitrag zur individualisierten Antibiotikatherapie leisten kann. Die Studie zeigt, dass sich Linezolid-Spiegel weder allein anhand der Dialyseform noch anhand von Standarddosierungen zuverlässig vorhersagen lassen.
Durch die gezielte Überwachung von Wirkstoffspiegeln können Unter- und Überdosierungen frühzeitig erkannt und Behandlungsstrategien individuell angepasst werden. Für die klinische Praxis lässt sich die zentrale Botschaft der Studie daher einfach zusammenfassen:
Messen statt vermuten.
Erste klinische Daten zu Linezolid unter der ADVOS multi Therapie
Die Studie liefert erstmals klinische in-vivo-Daten zur Pharmakokinetik von Linezolid unter albuminbasierter ADVOS multi Therapie und trägt zu einem besseren Verständnis der Antibiotikatherapie bei kritisch kranken Patient*innen mit extrakorporalen Organunterstützungsverfahren bei.
Aufgrund der geringen Fallzahl von 14 Patient*innen sollten die Ergebnisse jedoch als wichtige erste klinische Hinweise interpretiert werden. Größere Studien sind erforderlich, um die Beobachtungen weiter zu untersuchen und zu bestätigen.
Weiterführende Forschung zur ADVOS multi Therapie.
Die aktuelle Veröffentlichung ergänzt eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Arbeiten zur ADVOS multi Therapie. Dazu gehören unter anderem Untersuchungen zur Elimination antimikrobieller Wirkstoffe während der ADVOS multi Therapie sowie aktuelle Daten zur Pharmakokinetik von Meropenem bei Patient*innen mit Multiorganversagen.
Diese Arbeiten leisten einen wichtigen Beitrag zum Verständnis einer individualisierten Arzneimitteltherapie bei kritisch kranken Patient*innen und erweitern die wissenschaftliche Datenbasis für den Einsatz extrakorporaler Organunterstützungsverfahren auf der Intensivstation.
Die ADVITOS GmbH entwickelt die CE-zertifizierte und weltweit patentierte ADVOS-Therapie (ADVanced Organ Support) – die erste Therapie für Multiorganunterstützung integriert in einem einzigen Gerät. Das ADVOS-Verfahren verbessert die Überlebensrate von Patienten durch die zeitgleiche Unterstützung der drei Hauptentgiftungsorgane des menschlichen Körpers: Leber, Lunge und Nieren. Die Therapie ermöglicht die flüssigkeitsbasierte Entfernung von wasserlöslichen Giften (Niere), eiweißgebundenen Giften (Leber, Niere), und CO2 (Lunge). Zusätzlich ermöglicht das ADVOS-Verfahren durch die gezielte Veränderung des Blut-pH-Werts die rasche Korrektur des Säure-Basen-Haushalts. Die ADVOS-Therapie wird deutschlandweit auf Intensivstationen an 20 führenden Kliniken eingesetzt und ist auf dem Weg, auch den internationalen Markt zu durchdringen. Die ADVITOS GmbH erhält Mittel aus dem Forschungs- und Innovationsprogramm „Horizont 2020“ der Europäischen Union.
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