Vom Prozessmodell zur Entscheidung: Workflow-Management trifft Modellierung und Simulation

Wie verändern sich Zeitbedarf, Ressourceneinsatz und organisatorische Abläufe, wenn Prozesse neu gestaltet werden? Und können unterschiedliche Varianten bereits untersucht werden, bevor Veränderungen in der Praxis umgesetzt werden?

Mit diesen Fragen eröffnet die Verbindung von Workflow-Management, Modellierung und Simulation neue Perspektiven für die Forschung im Gesundheitswesen.

Das Institut für Workflow-Management im Gesundheitswesen (IWiG) ist An-Institut der APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft. Im Rahmen der neuen Kooperation soll das über mehr als zwei Jahrzehnte entwickelte Kompetenzfeld Workflow-Management stärker mit bestehenden Forschungsaktivitäten der Hochschule verbunden werden.

Ein Anknüpfungspunkt besteht im Bereich Modellierung und Simulation. Während Workflow-Management Arbeitsabläufe strukturiert beschreibt und analysiert, ermöglichen Modellierungs- und Simulationsansätze, unterschiedliche organisatorische Szenarien systematisch zu untersuchen.

Dadurch entsteht eine interessante wissenschaftliche Perspektive:

Veränderungen müssen nicht erst vollständig umgesetzt werden, um ihre möglichen Auswirkungen untersuchen zu können.

Prozessmodelle können vielmehr die Grundlage bilden, unterschiedliche Varianten hinsichtlich Zeit, Ressourcen, Kapazitäten, Schnittstellen oder organisatorischer Auswirkungen zu analysieren.

Das Forschungsinteresse richtet sich dabei nicht nur auf unmittelbar versorgungsbezogene Abläufe. Ein großer Teil der Leistungserbringung im Gesundheitswesen wird durch administrative, unterstützende und steuernde Workflows geprägt.

Dazu gehören beispielsweise Aufnahme- und Entlassprozesse, Termin- und Kapazitätssteuerung, Abrechnung und Kodierung, Beschaffung und Logistik, Personalprozesse sowie zahlreiche Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Organisationen.

Auch Krankenkassen, pharmazeutische Unternehmen und andere Akteure des Gesundheitswesens verfügen über komplexe Workflows – etwa bei Leistungsentscheidungen, Genehmigungsverfahren, Prüfprozessen oder in der Zusammenarbeit mit Leistungserbringern.

Eine mögliche gemeinsame Forschungsrichtung besteht deshalb in der Entwicklung und Untersuchung von Referenzmodellen für organisationsbezogene Workflows im Gesundheitswesen. Sie könnten eine strukturierte Grundlage schaffen, um Prozesse organisationsübergreifend zu beschreiben, zu vergleichen und für Modellierungs- und Simulationsansätze nutzbar zu machen.

„Besonders interessant wird es dort, wo wir nicht nur den bestehenden Prozess analysieren, sondern unterschiedliche zukünftige Organisationsformen systematisch untersuchen können“, erklärt Prof. Dr. Michael Greiling.

Auch datenbasierte Verfahren und Künstliche Intelligenz können hierbei zukünftig eine Rolle spielen – allerdings nicht als Selbstzweck. Entscheidend ist die Frage, an welchen Stellen sie einen zusätzlichen Erkenntnisgewinn für Analyse, Modellierung, Simulation oder Entscheidungsunterstützung schaffen.

Aus ersten Forschungsfragen sollen schrittweise konkrete Projekte entstehen. Dabei sollen Wissenschaft und Praxis eng miteinander verbunden werden.

Ein möglicher Entwicklungsweg lautet:

Forschungsfrage → Praxispartner → Finanzierung → Forschungsprojekt → Modellierung und Simulation → Evaluation → Publikation und Transfer.

Krankenhäuser, Krankenkassen, Unternehmen und weitere Organisationen des Gesundheitswesens können dabei nicht nur Untersuchungsfelder, sondern aktive Forschungspartner sein.

Die Kooperation zwischen APOLLON Hochschule und IWiG schafft hierfür einen neuen wissenschaftlichen Rahmen. Ziel ist es, vorhandene Kompetenzen miteinander zu verbinden und daraus Forschungsprojekte zu entwickeln, deren Ergebnisse sowohl wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn als auch praktische Anwendbarkeit ermöglichen.

Über den Deutsche Gesellschaft für Workflow-Management im Gesundheitswesen (DGWMiG) e.V.

"Wir ermutigen Einrichtungen im Gesundheitswesen, ein systematisches Workflow-Management zur Routine zu machen, um Zeit zu sparen und Verschwendung zu vermeiden, indem wir eine engagierte Kommunikation führen und die Akteure motivieren, ihre Kompetenzen erfolgreich weiterzubilden."

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