Müllverwertungsanlage Bonn: Attraktive Jobs für Umweltschützer

Kommunale Unternehmen werden auch auf den Arbeitsmarkt 4.0 attraktiv für Fachkräftenachwuchs sein. Diese Auffassung vertreten die Verantwortlichen der Geschäftsführung und des Aufsichtsrates der MVA Bonn. Angst vor Fachkräftemangel sei häufig hausgemacht. Auf der Grundlage eines gemeinsam entwickelten Zukunftsentwicklungsprogramm wollen Geschäftsführung und Aufsichtsrat junge Bewerber mit Interesse am Umweltschutz mit attraktiven Arbeitsbedingungen werben.  

Verantwortliche der Geschäftsführung und des Aufsichtsrats der Bonner Müllverwertungsanlage (MVA) stellten ihr  Zukunftsentwicklungsprogramm kürzlich bei der Abfallwirtschafts- und Energiekonferenz (BAEK) vor. Die enge Zusammenarbeit zwischen operativer Geschäftsführung und Aufsichtsrat eines kommunalen Unternehmens ist in dieser Form bisher einmalig.

Während der Konferenz, an der rund 650 Fach- und Führungskräfte der Abfall- und Energiewirtschaft teilnahmen, sagte MVA-Geschäftsführer Manfred Becker „Kommunale Unternehmen, die sich auf ihre Stärken besinnen und offen für Veränderungen sind, haben es selbst in der Hand, die Herausforderungen an die Digitalisierung und den Generationenwechsel erfolgreich zu bestehen“.

Aufsichtsratsvorsitzender Christian Gold (CDU), Aufsichtsratsmitglied Prof. Dr. Wilfried Löbach (FDP) und MVA-Geschäftsführer Manfred Becker sind sich einig: „Die Zeiten, in denen der Aufsichtsrat nur alles abnickt, sind längst vorbei. Der Aufsichtsrat sollte als geschlossenes Gremium Motor für Veränderungen sein“, so Christian Gold. Und Jörg Wirtgen, Geschäftsführer der Berliner Managementberatung mit Fokus auf Energie- und Entsorgungsbranche WM Consult, ist davon überzeugt, dass kommunale Unternehmen grundsätzlich auf dem Arbeitsmarkt 4.0 ökonomisch erfolgreich sein können, wenn diesen im Zuge der Digitalisierung ein kultureller Wandel gelingt.

Nach Angaben des Aufsichtsratsvorsitzenden Gold wird in den nächsten zehn Jahren ein großer Anteil an Führungskräften im Stadtwerkekonzern und der MVA in den Ruhestand gehen. MVA-Geschäftsführer Manfred Becker fordert ein Umdenken in seiner Branche: „Als Versammlung grauhaariger alter Herren wird ein radikaler Wandel nicht möglich sein“. Das deutlich gestiegene Interesse an Themen wie Klimawandel, Ökologie und Ressourcen einsparen biete kommunalen Unternehmen wie der MVA eine perfekte Möglichkeit, um „das miserable Image der Abfallbranche“ ins Positive umzukehren. „In unserem Unternehmen werden wir langfristig qualifizierten Bewerbern ein großes Angebot an modernen Berufsbildern in der Umwelttechnologie anbieten können. Die Tatsache, dass thermische Abfallbehandlungsanlagen nur eine Übergangstechnologie sind, die derzeit in einem Optimierungsprozess steckt, ist eine wichtige Botschaft an potenzielle Nachwuchskräfte. Kommunale Unternehmen wie Müllverwertungsanlagen sollten offensiver in der Öffentlichkeit dafür werben, dass die Senkung des Abfallaufkommens und des CO2-Verbrauchs die Ziele des Unternehmens sind. „Zero Waste und Zero Emission sind Meilensteine, für die wir stehen. Und so lange das nicht erreicht wird, bietet unsere Branche eine umweltfreundliche Interimslösung“, so Becker.

Beim Generationenwechsel setzen die Bonner darauf, Bewerberinnen und Bewerbern attraktive Bedingungen und Karrieremöglichkeiten anzubieten. Motivation und Benefits für die Mitarbeiter sind Stichworte. Becker zitierte eine Umfrage von Pricewaterhouse Coopers International (PwC), wonach nur 7 Prozent der jungen Leute heute eine führende Position anstreben. „Das zeigt, dass wir neben der Klima- und Mobilitätswende ein weiteres Feld zu beackern haben, um Führungsnachwuchs zu akquirieren. Dazu brauche es flache Hierarchien, individuelle Benefits und Begeisterung für die Sache. „Bei uns lernen erfahrene Mitarbeitende neue Skills von den Nachwuchskräften und diese bekommen Erfahrungen und Wissen aus erster Hand zurück. Eine Win-Win-Situation für alle“, so Becker.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Gold appellierte an die Vertreter kommunaler Unternehmen, flexibler auf Veränderungen zu reagieren. „Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass WhatsApp der großen Telekom Konkurrent werden würde? Wer hat geahnt, dass die Schwarz-Gruppe in Neckarsulm in die Abfallwirtschaft investiert?“, fragte Gold in die Runde. Im Falle des Aufsichtsrats der MVA Bonn habe es sich daher als positiv erwiesen, dass der Aufsichtsrat sehr heterogen ist und Impulse aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln geben kann. In regelmäßig statt findenden Workshops mit MVA-Führungskräften und den Mitgliedern des Aufsichtsrats werden neue Geschäftsmodelle diskutiert.  „Die Aufgaben der kommunalen Unternehmen werden immer komplexer. Es reicht nicht mehr aus, sich aufs Kerngeschäft zu beschränken. Aber genau in diesen Herausforderungen liegen unsere Chancen,“ so Gold.

Der Aufsichtsrat der MVA Bonn werde sich auch künftig nicht ins operative Geschäft einmischen. Er sieht seine Aufgabe darin, dazu beizutragen, ein Meinungsbild zu schaffen, „als Visionär neue Ideen mit zu entwickeln“. Das Besondere am Aufsichtsrat der MVA: „Es werden grundsätzlich einstimmige Entscheidungen angestrebt, das trägt dazu bei, Akzeptanz zu schaffen“, so Aufsichtsratsvorsitzender Gold.

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