
Das Forschungsprojekt Projekt „Religion und Naturwissenschaft im Umbruch: Sozinianische Briefwechsel und Inedita digital“ hat das Ziel, alle erhaltenen sozinianischen Briefwechsel sowie weitere Quellen digital zugänglich und wissenschaftlich auswertbar zu machen. Unter Federführung der Stiftung Johannes a Lasco Bibliothek Große Kirche Emden wird es in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften Mainz, der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) realisiert. Die Projektleitung liegt bei Prof. Dr. Kęstutis Daugirdas aus Emden und Prof. Dr. Andreas Kuczera von der THM.
Seit 2018 transkribieren wissenschaftliche Mitarbeitende die meist handschriftlichen Briefseiten, das bedeutet, sie schreiben diese in einer digitalen Datenbank ab. Zeitgleich edieren sie die Briefe: Sie fügen textkritische und sachliche Kommentare an sowie inhaltliche Zusammenfassungen der einzelnen Briefe. Auf diese Art sind im ersten Forschungsprojekt „Die sozinianischen Briefwechsel. Zwischen Theologie, frühmoderner Naturwissenschaft und politischer Korrespondenz“ in acht Jahren bereits über 2000 Briefe digitalisiert und 900 davon detailliert erschlossen worden.
An dieser Stelle kommt die THM mit Kuczera ins Spiel, der auch eng mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz zusammenarbeitet. Er hat nicht nur eine Datenbank für die Historiker erstellt, in die sie die Texte einzeln eintragen können. Diese können dank der Unterstützung von Kuczera und seinem Team mit einer neuartigen Graphdatenbank arbeiten.
Während bei traditionellen digitalen Editionen Personen, Orte und Sachen verschlagwortet werden können, sodass Interessierte nach diesen Begriffen suchen können, ermöglicht eine graphbasierte digitale Edition auch, Zusammenhänge aufzuzeigen. Informationen aus verschiedenen Konstellationen, beispielsweise Theologie, Philosophie, Philologie, Astronomie und Politik, lassen sich vernetzt wie in einer Art Mindmap anzeigen. „Das ermöglicht es, komplexe geisteswissenschaftliche Forschungsdaten, die verschiedene Interpretationen zulassen, darzustellen“, erklärt Kuczera.
Um alle Briefe, aber auch Zeichnungen zu edieren, die in insgesamt 14 verschiedenen Sprachen verfasst sind, wird das wissenschaftliche Team über 20 Jahre benötigen. „Die vergangenen acht Jahre mit einer Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft waren eine Art Vorprojekt. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse haben wir errechnet, dass wir 21 Jahre benötigen werden, um alle Quellen zu edieren“, erklärt Prof. Kuczera. Solche Langzeitprojekte werden im Akademienprogramm gefördert. Sie werden je zur Hälfte vom Bund und den Ländern getragen. „Damit bekommen wir ab 2026 für die nächsten 21 Jahre auch eine volle Stelle an der THM, um die digitale Editionstechnik weiterzuentwickeln und an die Bedarfe der Historiker anzupassen“, erklärt Kuczera. Aktuell ist mit dem Projekt Sebastian Enns Promotionsvorhaben verknüpft, das über die THM und den Forschungscampus Mittelhessen (FCMH) koordiniert wird. Enns ist der leitende Informatiker und zuständig für die Webseite und die Webentwicklung. Sein Promotionsthema ist die Datenmodellierung in digitalen Editionen. Ein weiteres Projekt zur Digitalisierung der Sozinianerbriefe hat Kuczera mit einer Masterarbeit verbunden. Darin soll eine lokale Künstliche Intelligenz eingebunden werden, die inhaltliche Fragen direkt auf Basis der edierten Briefe beantworten und die entsprechenden Textstellen verlinken soll.
Die Projektwebseite wird an der THM verwaltet und ist unter sozinianer.mni.thm.de/home erreichbar. Die Seite funktioniert auch in der mobilen Ansicht am Smartphone.
Das Akademienprogramm und die Akademienunion:
Das Akademienprogramm besteht seit 1979/80. In ihm fördern Bund und Länder gemeinsam langfristig angelegte Forschungsprojekte in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften. Es umfasst bei einem Finanzvolumen von rund 80 Millionen Euro insgesamt 127 Vorhaben mit rund 192 Arbeitsstellen (Stand: 2025).
Das Programm wird von der Akademienunion koordiniert. In ihr sind die acht Akademien der Wissenschaften in Deutschland vereint. Sie sind Gelehrtengesellschaften und Forschungseinrichtungen in einem. Die Mitglieder widmen sich langfristig angelegten Forschungsprojekten, die interdisziplinär sind und zur geisteswissenschaftlichen Grundlagenforschung beitragen. Dazu gehören beispielsweise die Erstellung wissenschaftlicher Wörterbücher, Lexika oder kritischer Gesamtausgaben bedeutender Philosophinnen und Philosophen und Komponistinnen und Komponisten, aber auch Langzeitbeobachtungen an der Schnittstelle zwischen Natur- und Geisteswissenschaften. Die Akademien schaffen hierdurch Wissensspeicher für die Zukunft und stellen Grundlagen für die Nutzung des von ihnen aufgearbeiteten Wissens durch Wissenschaft und Öffentlichkeit bereit, wie die Akademienunion auf ihrer Webseite schreibt.
Die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) ist eine der größten Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) in Deutschland und bietet über mehr als 80 Studiengänge an 12 Fachbereichen und das duale Studienangebot von „StudiumPlus“ an. Die Hauptstandorte Friedberg, Gießen und Wetzlar liegen verkehrsgünstig in der hessischen Rhein-Main-Region. Die derzeit mehr als 15.600 Studierenden der THM profitieren von bewährten Studienbedingungen und kleinen Lerngruppen sowie von der Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen. Unter den HAWen zeichnet sich die THM durch ihre anwendungsbezogene Forschungsstärke aus. Neben acht eigenen, interdisziplinären Kompetenzzentren besteht eine Zusammenarbeit mit den Universitäten in Gießen und Marburg, über die auch kooperative Promotionen in den Ingenieurwissenschaften möglich sind. Als erste HAW eröffnete die THM 2016 zudem ein eigenständiges Promotionszentrum und besitzt seither das Promotionsrecht für den Doktoringenieur.
Technische Hochschule Mittelhessen
Wiesenstr. 14
35390 Gießen
Telefon: +49 (641) 309-1040
Telefax: +49 (641) 309-2901
http://www.thm.de
Pressereferentin
Telefon: +49 (641) 309-1041
E-Mail: pressestelle@thm.de
![]()
