Nagelplattenkonstruktionen: Tragwerke mit „Wow!“-Effekt

Präzisionsarbeit bis ins Detail kennzeichnet die Vorfertigung von Nagelplattenkonstruktionen. Der Einsatz hochgradig automatisierter Herstellungsverfahren wirkt dem zunehmenden Fachkräftemangel entgegen und garantiert Lieferfähigkeit selbst bei höchster Kapazitätsauslastung der Betriebe. Mitglieder der Gütegemeinschaft Nagelplattenprodukte e.V. (GIN) maximieren durch akribische Qualitätskontrollen die Sicherheit entlang der Herstellungs- und Lieferkette bis hin zur Montage.

Für robuste, hoch belastbare Dachtragwerke, Wand- und Deckenkonstruktionen in Nagelplattenbinderbauweise sorgt die Gütegemeinschaft Nagelplattenprodukte e.V. mit sorgsam aufeinander abgestimmten Maßnahmen der Qualitätssicherung. Von der Holzbeschaffung aus zertifizierten Forsten über die passgenaue Fertigung jedes einzelnen Binders oder Trägers exakt nach statischer Bemessung bis hin zum fachgerechten Verbau am Bestimmungsort bleibt dabei nichts dem Zufall überlassen.

Tragwerk in Planung: Komplett statisch bemessen

Es kann sich um das Tragwerk für ein ausbaubares Satteldach auf einem Fertighaus im Grünen handeln, um die Aufstockung eines Flachdachs auf einem Bestandsgebäude in der Großstadt oder um die schier endlos lange Schalung für den Neubau einer Brücke oder eines Tunnels: GIN-Mitgliedsfirmen setzen zur statischen Berechnung von Nagelplattenkonstruktionen Computerprogramme ein, die selbst komplizierteste Bauteilformen sicher beherrschbar machen. Die auf das jeweilige Bauvorhaben exakt abgestimmte Tragwerksstatik kann der Hauptstatiker oder Architekt ganz einfach in die Gesamtplanung des Gebäudes übernehmen. Die komplexen Berechnungen sind bei GIN-Mitgliedsunternehmen Teil des Lieferpakets; was handfeste Vorteile hat: Der Auftraggeber spart sich die Kosten der Beauftragung eines externen Statikbüros, das Warten auf dessen Ausarbeitung entfällt und der Baufortschritt wird beschleunigt.

Tragwerk in der Fertigung: Güte ist geprüfte Qualität

Für den Tragwerksbau wie auch für die Herstellung von Geschossdecken und Wänden bieten sich Nagelplattenkonstruktionen als ökologisch vorbildliche, bauphysikalisch hoch belastbare und ökonomisch sinnvolle Bauteillösungen an. Durch den Einsatz rationeller Maschinentechnik sind sie in vielfältigen Formen und Abmessungen rasch verfügbar. Per LKW werden sie wahlweise direkt auf die Baustelle gebracht oder zunächst ins Werk des weiterverarbeitenden Hausbauunternehmens geliefert. In jedem Fall kommt der Qualität der Ausführung entscheidende Bedeutung zu, sollen die vorgefertigten Bauteile den Ansprüchen der Bauherrschaft wie auch den statischen Erfordernissen der geplanten Tragwerkskonstruktion entsprechen.

Sortiert und technisch getrocknet

Nadelholz, das von GIN-Mitgliedern zur Herstellung von Nagelplattenprodukten eingesetzt wird, ist sortiertes Bauholz (Fichte, Tanne oder Kiefer). Vor der Verarbeitung zu Bindern für Dachtragwerke und Wände sowie zu Trägern für Deckenkonstruktionen wird es technisch getrocknet; die Holzfeuchte darf danach maximal 20 Prozent betragen.

Auf dem Weg zum Bauplatz

Die Anforderungen des RAL-Gütezeichens 601 zielten ursprünglich in erster Linie auf die Herstellung von Nagelplattenprodukten ab. Im Interesse optimaler Bauqualität hat der GIN die Gütesicherung um Bestimmungen zur Montage ergänzt. Die Idee dahinter: Die im Werk geschaffene Qualität soll sich systematisch auf jede Baustelle übertragen lassen.

Als zuständige Stelle verleiht der GIN das RAL-Gütezeichen 601 für die Herstellung von Nagelplattenprodukten (Teil I) und deren Montage (Teil II) an Firmen, die die geforderte Qualität durch laufende innerbetriebliche Kontrollen und amtliche Fremdüberwachungen sicherstellen und nachweisen können.

Konsequent gütegesichert

Die Überwachung erstreckt sich sowohl auf die verwendeten Materialien (Gurte und Stäbe aus Nadelholz sowie Nagelplatten aus feuerverzinktem Stahlblech, bei stark korrosiver Beanspruchung auch aus nichtrostendem Edelstahl) als auch auf deren Be- und Verarbeitung im Werk. Über die Herstellung von Nagelplattenprodukten hinaus kann die Güteüberwachung bei GIN-Mitgliedern auch deren Montage am Objekt umfassen, sofern das Unternehmen Fertigung und Montage aus einer Hand anbietet. Die Montage übernehmen GIN-Mitgliedsunternehmen dann entweder mit eigenem – in der Regel vom GIN geschulten – Personal oder sie empfehlen RAL-zertifizierte externe Bauhandwerksbetriebe, die das Montieren gleichfalls fachgerecht vornehmen.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Die Qualitätssicherungsmaßnahmen haben robuste Nagelplatten-Konstruktionen zum Ziel, um * Bungalows mit Flachdach, * Wohnhäuser mit/ohne Ausbau des Steildachs, * Aufstockungen, * die Überdachung landwirtschaftlicher Bauten und * Lagerhallen, * Discount- und Supermärkte, * Gewerbebauten sowie öffentliche Bauvorhaben aller Art sicher auszuführen. Dazu zählt auch der Einsatz im Schalungsbau für (Wasser-) Straßen, Gleisanlagen und Brücken. Außerdem lassen sich in Mehrgeschossgebäuden mit Parallelträgern (sog. Open-Web-Joists) Decken konstruieren, durch die Versorgungsleitungen wie Wasserrohre und Kabel hindurch verlaufen.

Verfügbar dank Vorfertigung

Zimmereien, die im Zuge des anhaltenden Holzbau-Booms an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, greifen als Alternative zum einzeln geplanten, auf der Baustelle zeitintensiv von Hand gezimmerten Dachtragwerk immer häufiger auf die rationelle Ausführung mit Nagelplattenbindern zurück.

„Beim Tragwerksbau sind in der Halle maßgenau vorgefertigte Nagelplattenbinder rein handwerklichen Konstruktionen mindestens ebenbürtig. Unter Renditegesichtspunkten erweisen sie sich oft sogar als deutlich überlegen – vor allem, wenn das liefernde GIN-Mitgliedsunternehmen über einen hohen Automationsgrad verfügt“, hebt Kay-Ebe Schnoor hervor, zweiter Vorsitzender des GIN und zugleich Obmann im Marketingausschuss des Interessenverbandes.

Professionell montieren

Statt auf Aufträge zu verzichten, weil die eigene Werkstatt ausgelastet ist, macht es für leistungsstarke Zimmereien Sinn, Elemente für den Tragwerksbau von einem GIN-Mitgliedsbetrieb zu beziehen. Das Montieren von Nagelplattenbindern können sich die Mitarbeiter des ausführenden Handwerksbetriebs in Schulungen des GIN aneignen (Termine gibt die Geschäftsstelle des GIN bekannt). Alternativ kann die Montage auch einem RAL-güteüberwachten externen Montagebetrieb übertragen werden.

GIN-Leitfaden für die Montagepraxis

Unter dem Titel Montage-Empfehlungen für Nagelplattenbinder hat die Gütegemeinschaft Nagelplatten e.V. (GIN) eine Informations-Broschüre aufgelegt, die Architekten, Statikern und Bauhandwerkern zur Planung und Montage von Nagelplattenbindern konkrete Empfehlungen und hilfreiche Detaillösungen für verschiedene bauliche Gegebenheiten liefert. Der GIN-Leitfaden mit Hinweisen zu Planung, Bestellung, Transport und fachgerechter Montage findet sich im Downloadbereich auf www.nagelplatten.de Als PDF-Datei stehen die Montage-Empfehlungen dort auch im handlichen, baustellengerechten Format bereit, ferner Formulare zur Eigenüberwachung / internen Abnahme für Dächer.

Neues Standardwerk

Nagelplattenkonstruktionen nach Eurocode heißt ein weiteres Standardwerk (ISSN 0466-2114), das ebenfalls auf der GIN-Website zum Herunterladen bereitsteht. Die praxisorientierte Informationsdienst Holz-Schrift wird von der Gütegemeinschaft Nagelplattenprodukte e.V. und dem Interessenverband Nagelplatten e.V. herausgegeben. Auf hohem fachlichen Niveau findet sich darin allerhand Wissenswertes rund um Nagelplattenkonstruktionen, deren Entwicklung und statische Bemessung.

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